Frau beim Pilates-Training mit Gymnastikbällen

Grundlage für deine Bewegung

Pilates Atmung: richtig atmen und Bewegung besser koordinieren

Beim Pilates soll die Atmung nicht zu einer weiteren Prüfung werden. Sie hilft dir, Brustkorb, Rumpf und Bewegung wahrzunehmen. Lerne hier, wie du Einatmen und Ausatmen sinnvoll verbindest, was mit lateraler oder dreidimensionaler Brustkorbatmung gemeint ist und warum ein ruhiger Atem wichtiger ist als ein starres Muster.

Pilates Atmung – bewusste Atmung und Bewegung koordinieren
Eine ruhige Ausgangsposition macht die seitliche und dreidimensionale Bewegung des Brustkorbs während der Pilates-Atmung leichter wahrnehmbar.

Die wichtigste Antwort zuerst

Welche Rolle spielt die Atmung beim Pilates?

Atmung ist beim Pilates nicht nur ein Taktgeber. Sie verbindet Wahrnehmung, Bewegung und dosierte Rumpfarbeit. Wenn du weiteratmest, bekommst du außerdem eine direkte Rückmeldung: Wird die Übung so anspruchsvoll, dass du pressen oder die Luft anhalten musst, passt wahrscheinlich die Variante oder der Bewegungsumfang noch nicht.

01

Rhythmus finden

Ein ruhiger Atem kann Übergänge gleichmäßiger machen. Du bewegst dich nicht automatisch schneller, nur weil du ausatmest.

02

Rumpf beobachten

Rippen, Becken und Wirbelsäule bleiben eher steuerbar, wenn du den Atem nicht gegen eine maximale Dauerspannung festhältst.

03

Anstrengung dosieren

Der Atem zeigt dir, ob du eine Bewegung kleiner machen, eine Pause einlegen oder eine leichtere Variante wählen solltest.

Kurz gesagt

Atme im Pilates ruhig weiter. Häufig begleitet die Ausatmung die anstrengendere Phase, aber sie ist keine starre Pflichtregel. Bewegungskontrolle, ein angenehmes Gefühl und ein weiterfließender Atem sind wichtiger als das perfekte Treffen eines bestimmten Atemtakts.

Den Brustkorb wahrnehmen

Was bedeutet laterale oder dreidimensionale Brustkorbatmung?

Mit lateraler Atmung ist im Pilates meist gemeint, dass sich der untere Brustkorb beim Einatmen nicht nur nach vorn, sondern auch zu den Seiten und nach hinten ausdehnen darf. „Dreidimensional“ beschreibt diese drei Richtungen. Das ist eine Wahrnehmungshilfe – kein Befehl, den Bauch völlig stillzuhalten.

Beim Einatmen
  • Die unteren Rippen dürfen sich vorne, seitlich und am Rücken weiten.
  • Das Zwerchfell arbeitet weiter; Bauch und Flanken können sich je nach Position mitbewegen.
  • Schultern und Kiefer bleiben möglichst locker.
Beim Ausatmen
  • Der Brustkorb wird wieder weicher und bewegt sich zur Ausgangsposition zurück.
  • Eine sanfte Rumpfaktivität kann die anstrengendere Bewegung begleiten.
  • Du musst weder pressen noch den Bauch maximal einziehen.

Einatmen und Ausatmen

Wie koordinierst du Atmung und Bewegung?

Eine einfache Orientierung ist: Einatmen in die Vorbereitung oder in eine Phase, in der du dich öffnest und Länge suchst; Ausatmen in der anstrengenderen Phase, beim Heben, Einrollen oder Zurückführen. Welche Zuordnung sinnvoll ist, hängt aber von der Übung, dem Unterrichtsstil und deinem Körper ab.

VorbereitenEinatmen, Ausgangsposition ruhig einrichten und den Bewegungsweg wählen.
Anstrengendere PhaseAusatmen kann beim Heben, Einrollen oder kontrollierten Zurückführen helfen. Lass den Atem dabei weich und hörbar frei.
Rückkehr und ÜbergangWeiteratmen und nicht am Ende der Bewegung „einfrieren“. Manchmal passt hier die Einatmung, manchmal die Ausatmung besser.
Wenn der Rhythmus nicht passtBewegung verkleinern, langsamer werden oder einen Atemzug pro Wiederholung wählen. Nicht die Luft anhalten, um den Takt zu erzwingen.
BEISPIEL 01

Beckenkippen

Einatmen: angenehme Mittelposition finden. Ausatmen: das Becken klein zu dir kippen. Mit der nächsten Einatmung kontrolliert zurückkehren.

BEISPIEL 02

Arm gleiten lassen

Atme ein, um den Arm vorzubereiten. Führe ihn beim Ausatmen nur so weit Richtung Kopf, wie Rippen und Becken ruhig bleiben. Der Bewegungsweg darf klein sein.

BEISPIEL 03

Schulterbrücke

Ein mögliches Muster ist: Ausatmen beim Heben, ruhig einatmen oben und ausatmen beim langsamen Abrollen. Wenn ein anderer Rhythmus besser funktioniert, bleibt der Atem trotzdem frei.

Stabilität ohne Festhalten

Was haben Atmung, Rumpfkontrolle und Beckenboden miteinander zu tun?

Das Zwerchfell bildet oben, die Bauch- und Rückenmuskulatur an den Seiten und der Beckenboden unten ein zusammenarbeitendes Druck- und Bewegungssystem. Beim Atmen verändert sich dieses System laufend. Gute Rumpfkontrolle bedeutet deshalb nicht, alles starr zu blockieren, sondern Bewegung und Spannung so zu dosieren, dass du weiteratmen kannst.

Rumpfkontrolle

Eine sanfte Ausatmung kann manchen Menschen helfen, Rippen und Becken besser zu organisieren. Das ist ein hilfreicher Bewegungsreiz, aber kein Beweis für „mehr Core“ und kein Grund, den Bauch dauerhaft einzuziehen.

Beckenboden

Beim Einatmen kann der Beckenboden tendenziell nachgeben und sich verlängern; beim Ausatmen kann eine leichte Aktivierung leichter fallen. Das sind typische Zusammenhänge, keine starre Anweisung für jede Person und jede Wiederholung.

Sauber statt perfekt

Typische Anfängerfehler bei der Pilates-Atmung

  • Luft anhalten: Bewegungsweg, Hebel oder Wiederholungen reduzieren und den Atem wieder fließen lassen.
  • Den Bauch maximal einziehen: Weniger Spannung wählen, damit Rippen und Becken beweglich bleiben.
  • Schultern hochziehen: Kiefer lösen, Hände an die unteren Rippen legen und kleiner einatmen.
  • Nur seitlich „atmen wollen“: Die 3D-Idee als Orientierung nutzen, nicht gegen die natürliche Atembewegung arbeiten.
  • Ein festes Muster erzwingen: Erst weiteratmen und kontrollieren, dann die Koordination verfeinern.
  • Zu kräftig ausatmen: Ausatmen heißt nicht pressen. Ein ruhiger Luftstrom reicht.
  • Nur den Atem beobachten: Wenn du dadurch die Bewegung verlierst, Aufmerksamkeit zwischen Atem und Aufgabe wechseln.
  • Warnzeichen übergehen: Bei Schmerzen, Schwindel, ungewöhnlicher Atemnot oder Druckgefühl stoppen und die Situation klären.

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Drei einfache Atembeispiele für zu Hause

Diese kurzen Beispiele sind keine Behandlung und kein Pflichtprogramm. Übe jeweils nur so lange, wie du dich ruhig und sicher fühlst. Wenn eine Übung die Atmung verschlechtert, kehre zur bequemeren Position zurück.

01 · WAHRNEHMEN

Hände an die unteren Rippen

Setze dich gut unterstützt oder lege dich mit aufgestellten Beinen hin. Lege die Hände seitlich an die unteren Rippen. Atme drei bis fünf Mal ein und spüre eine sanfte Weitung nach vorne, zu den Seiten und – wenn möglich – nach hinten. Ausatmen, ohne zu drücken.

02 · VERBINDEN

Beckenkippen mit Atem

Führe sechs kleine Beckenkippbewegungen aus. Nutze die Ausatmung als mögliche Begleitung für das Kippen und die Einatmung für die Rückkehr. Das Becken bleibt klein und kontrollierbar; der Atem entscheidet nicht über die Größe.

03 · DOSIEREN

Armbewegung in Rückenlage

Strecke einen Arm beim Einatmen oder Ausatmen langsam Richtung Kopf. Stoppe, sobald die Rippen deutlich aufspringen oder der Rücken ausweicht. Kehre zurück, atme normal weiter und wechsle die Seite.

Weitere einzelne Bewegungen findest du im Übungsverzeichnis Pilates Übungen. Wenn du eine komplette kurze Einheit bevorzugst, passt das 10-Minuten-Pilates-Workout besser als eine zusätzliche Atemregel.

Keine starre Prüfung

Musst du beim Pilates immer nach einem festen Atemmuster atmen?

Nein. Ein Atemmuster kann eine hilfreiche Lernhilfe sein: Ausatmen bei der Anstrengung, Einatmen bei der Vorbereitung. Je nach Übung, Tempo, Körperposition und Unterrichtssystem werden die Phasen aber unterschiedlich angesagt. Es gibt nicht für jede Bewegung nur eine zulässige Atemfolge.

Die sinnvolle Reihenfolge

Erst den Atem weiterfließen lassen, dann die Bewegung kontrollierbar machen und erst danach die Koordination verfeinern. Wenn du zwischen zwei Wiederholungen einen zusätzlichen Atemzug brauchst, nimm ihn. Eine kleine Pause ist besser als Pressen oder Luftanhalten.

Belastung richtig einordnen

Was passiert, wenn du während einer Übung die Luft anhältst?

Beim bewussten oder unbewussten Luftanhalten entsteht häufig mehr Druck im Brust- und Bauchraum. Während körperlicher Anstrengung kann das den Blutdruck vorübergehend erhöhen und bei manchen Menschen Schwindel oder Muskelkrämpfe begünstigen. Deshalb ist regelmäßiges Weiteratmen die bessere allgemeine Orientierung – besonders bei anstrengenden Halte- oder Kraftphasen.

Wenn es einmal passiert

Kein Grund zur Panik: Bewegung kleiner machen, Spannung lösen, ruhig ausatmen und erst dann weiterüben. Prüfe, ob die gewählte Variante zu schwer oder zu schnell war.

Wenn es wiederholt passiert

Wechsle zu einer leichteren Stufe oder lasse dir die Bewegung individuell anleiten. Bei Schwindel, Brustschmerz, ungewöhnlicher Atemnot oder anhaltendem Unwohlsein brichst du ab und holst medizinischen Rat ein.

Individuell statt pauschal

Wann ist eine individuelle Anpassung sinnvoll?

Früh Unterstützung holen

  • bei wiederkehrendem Luftanhalten, Schwindel oder ungewöhnlicher Atemnot
  • bei Schmerzen, Druck- oder Schweregefühl im Becken oder bei ungewolltem Urinverlust
  • in Schwangerschaft und Rückbildung oder nach einer Operation
  • bei bekannten Herz-, Lungen- oder Beckenbodenproblemen

Was angepasst werden kann

Ausgangsposition, Bewegungsweg, Tempo, Hebel, Wiederholungen und Pausen. Eine qualifizierte Fachperson kann außerdem prüfen, ob eher die Aktivierung, die Entspannung oder die Koordination Unterstützung braucht.

Für allgemeine Grundlagen eignet sich Pilates für Anfänger. Bei rückenbezogenen Fragen hilft Pilates für den Rücken; nach der Geburt oder bei einer Rektusdiastase sind die jeweiligen Spezialseiten die passendere Einordnung.

Häufige Fragen

FAQ zur Pilates-Atmung

Soll ich beim Pilates durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen?

Das kann eine angenehme Orientierung sein, ist aber keine starre Pflicht. Atme so, dass du ruhig und ohne Pressen weiteratmen kannst. Bei einer verstopften Nase oder einer anderen individuellen Situation darfst du die Atmung anpassen.

Ist laterale Atmung dasselbe wie Bauchatmung?

Die Begriffe setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Laterale Atmung lenkt die Wahrnehmung besonders auf die Weitung des Brustkorbs zu den Seiten und nach hinten. Das bedeutet nicht, dass der Bauch völlig stillstehen muss oder das Zwerchfell nicht arbeitet.

Wann soll ich bei einer Pilates-Übung ausatmen?

Oft passt die Ausatmung zur anstrengenderen Phase, zum Beispiel beim Anheben oder Einrollen. Wenn ein anderer Rhythmus die Bewegung besser kontrollierbar macht, ist das meist sinnvoller als ein erzwungenes Muster.

Muss ich beim Ausatmen den Beckenboden anspannen?

Nein, nicht automatisch und nicht maximal. Der Beckenboden soll sowohl aktivieren als auch loslassen können. Bei Beschwerden oder Unsicherheit ist eine individuell angeleitete Beckenboden- oder Physiotherapie geeigneter als eine allgemeine Atemregel.

Was mache ich, wenn ich Atem und Bewegung nicht zusammenbekomme?

Verkleinere den Bewegungsweg, verlangsame das Tempo und nimm einen zusätzlichen Atemzug. Wenn du trotzdem die Luft anhältst, wähle eine leichtere Variante oder pausiere. Die Koordination darf sich entwickeln.

Passend weiterlesen

Atmung in deinem Pilates-Einstieg anwenden

Die Atmung ist ein Grundprinzip, aber nicht der einzige Inhalt einer guten Einheit. Verbinde diese Orientierung mit einer passenden Schwierigkeit und einer kontrollierten Übungsauswahl.

Fachliche Orientierung: Die Erläuterungen zu lateraler beziehungsweise dreidimensionaler Atmung, Atemfluss, Rumpfkoordination und Beckenboden wurden mit der aktuellen Merrithew/STOTT-Übersicht zu den fünf Pilates-Prinzipien, der Fachpublikation zur Atmung im Pilates und der Studie zur Pilates-Atmung und Rumpfmuskelaktivierung abgeglichen. Für Beckenboden und individuelle Anpassung wurden die Informationen von University Hospitals Plymouth NHS und die NICE-Empfehlungen zu Beckenbodentraining berücksichtigt. Die Hinweise zum Luftanhalten orientieren sich an der Fachinformation des American College of Sports Medicine.